»Die Förderung einer Friedenskultur gehört zu unseren wichtigsten strategischen Zielen. Die aktive Beteiligung von Kindern und Jugendlichen bei der Aussöhnung verfeindeter Kriegsparteien ist ein zentrales Anliegen in unserer Projektarbeit. Trotz aller traumatischen Kriegserfahrungen sind es Kinder und Jugendliche, die die Chance für ein friedliches Miteinander bekommen müssen. Dazu sollen unsere Projekte weltweit einen Beitrag leisten.«
Beat Wehrle, Vorstand Programme terre des hommes
Seit Jahren erleben Kinder und Jugendliche in der Ukraine Alltag und Zukunft unter Bombardierungen, Zerstörung, Leid, Tod und dauernder Angst. Für Millionen Familien sind grundlegende Bedürfnisse auch Jahre nach Beginn des russischen Angriffskrieges nicht selbstverständlich: ausreichend Nahrung, ein sicheres Dach über dem Kopf, eine funktionierende Heizung im Winter sowie Medikamente und ärztliche Versorgung fehlen vielerorts.
Terre des Hommes hat zusammen mit seinen Partnerorganisationen ein wirkungsvolles Nothilfe-Netzwerk aufgebaut. Ziel ist es, die humanitäre Lage der kriegsgeschädigten Kinder und ihrer Betreuer*innen nachhaltig zu verbessern. Dabei steht die unmittelbare Versorgung ebenso im Mittelpunkt wie Maßnahmen, die langfristig Stabilität und Schutz schaffen.
Ein zentraler Baustein der Hilfe ist psychosoziale und therapeutische Unterstützung für traumatisierte Kinder und Jugendliche. Ergänzend fördern die Projekte die Integration von Vertriebenen in lokale Aufnahmegemeinden und Notunterkünften, damit Kinder wieder sichere Alltagsstrukturen und Perspektiven finden.
Terre des Hommes unterstützt Jugendzentren und -organisationen, fördert demokratisches Engagement und schafft für im Krieg aufwachsende Jugendliche Räume und Perspektiven.
Seit 2021 tobt in Myanmar ein blutiger Bürgerkrieg. Seitdem wächst eine ganze Generation von Kindern mit dem Wahnsinn eines Krieges auf, der keine klaren Frontlinien kennt. Etwa 1,2 Millionen Kinder und ihre Familien wurden aus ihrer Heimat vertrieben, leben in Dörfern entlang der Landesgrenzen, in den Wäldern oder flüchten von Ort zu Ort. Die humanitäre Lage ist katastrophal: viele Kinder sterben an Krankheit, an Unterernährung, durch Minen oder Bombenangriffen.
Die Terre des Hommes-Partnerorganisationen stehen in dieser Situation den Kindern und ihren Familien bei und helfen dort mit dem Nötigsten: Nahrungsmittelpakete, Medikamente, sauberes Wasser und Hygiene-Nothilfepakete. Traumatisierte Kinder erhalten psychosoziale Unterstützung und improvisierten Schulunterricht um ihnen eine Normalität im Alltag wiederzugeben.
In den Camps Mantapala in Sambia und Tongogara in Simbabwe leben tausende Menschen, vor allem kongolesische Flüchtlinge. Die Hälfte von ihnen sind Minderjährige, viele von ihnen sind traumatisiert. Sie leiden unter den Folgen von Vertreibung, Gewalt und mangelnden Zukunftsperspektiven.
Terre des Hommes unterstützt gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen in den Lagern 1.800 Jugendliche und junge Erwachsene dabei, ihre Lebenssituation nachhaltig zu verbessern:Sie erhalten technische und unternehmerische Schulungen in Bereichen wie agroökologische Landwirtschaft oder Schneiderei, ergänzt durch Starterkits für die Gründung eigener Kleinstunternehmen.
Parallel dazu werden die psychosozialen Kapazitäten vor Ort gestärkt: Lokale Akteure und „Peace Champions“ werdem ausgebildet, um Traumata aufzuarbeiten, Friedensdialoge zu führen und geschlechtsspezifische Gewalt zu bekämpfen. Ziel ist es, die Eigenverantwortung der Jugendlichen zu fördern und ihnen eine stabile mentale und wirtschaftliche Grundlage für ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.
Viele Kinder und Jugendliche sind vor dem Krieg gegen die Ukraine nach Deutschland geflüchtet. Auch nach der Ankunft sind die Erlebnisse und Erfahrungen von Krieg und Flucht für die jungen Menschen sehr prägend.
Das Projekt „Meine Spur“ der Gedenkstätte Augustaschacht e.V.ermöglicht geflüchteten ukrainischen Jugendlichen in Osnabrück und in der Ukraine ihre Erfahrungen mit dem Krieg zu berichten und zu dokumentieren. Dabei entsteht eine Ausstellung und die Berichte der jungen Menschen werden sowohl für die rechtliche und wissenschaftliche Aufarbeitung des Krieges genutzt.
Zum Projekt "Meine Spur" gehört auch ein parallel stattfindendes Theaterprojekt an dem Jugendliche aus Ländern wie der Ukraine, Mexiko, Türkei und Deutschland teilnehmen.
Neben den rund zehn Millionen Einwohner/-innen leben in Jordanien rund 64.000 Geflüchtete aus dem Irak und mehr als 660.000 aus Syrien (Stand 2022). Viele von ihnen wohnen im Umkreis der Stadt Zarqa, einer der ärmsten Regionen des Landes. Ein Großteil der Kinder sind durch die Flucht und Kriegserlebnissen schwer traumatisiert, viele Erwachsene leiden an Depressionen. Die Gesundheitsversorgung ist mangelhaft. Das Projektkonzept von terre des hommes und der lokalen Partnerorganisation SFWS verbindet Bildungsangebote mit gesundheitlichen und psychotherapeutischen Ansätzen. In den Therapiesitzungen können die Betroffenen über ihre Probleme reden und Hilfe erhalten. Parallel wird die Ausbildung von Fach- und Hilfskräften für psychosoziale Hilfe ausgeweitet. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der gesundheitlichen Versorgung von Schwangeren und Neugeborenen.
Seit mehr als 50 Jahren herrscht in Kolumbien Krieg zwischen bewaffneten Gruppen und staatlichem Militär. Zwar gibt es einen offiziellen Friedensprozess, doch geändert hat sich dadurch bisher nicht viel. Nach wie vor kämpfen auch viele Minderjährige in den Reihen der unterschiedlichen Gruppierungen. Das Projekt Benposta liegt auf den Hügeln über der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá. Hier finden Jugendliche Schutz, die vor dem Krieg geflohen sind. Sie haben die Möglichkeit eine Ausbildung zu machen und ein neues, friedliches Leben zu beginnen.